Im November 2024 standen wir auf einem Markt in Kumasi und kauften 15 gebrauchte PCs. Anderthalb Jahre später läuft an der Christian Life Academy ein voll ausgestatteter Computerraum mit über 40 Geräten, Lehrercomputer, Beamer, Klimaanlage und Starlink-Internet. Dieser Leitfaden ist die Zusammenfassung dessen, was wir auf dem Weg gelernt haben — sortiert nach den Phasen, die jedes vergleichbare Projekt durchlaufen wird.
Phase 1 — Bedarfsermittlung (vor jeder Bestellung)
Bevor man einen einzigen Computer kauft, klärt man mit der Schule:
- Wer trägt die Betriebskosten? Strom, Internet, Wartung — die Schule, nicht ihr. Wenn das nicht geklärt ist, wird das Projekt nach 12 Monaten still sterben.
- Welcher Raum ist verfügbar? Ein klimatisierbarer, abschließbarer Raum mit ausreichend Stromanschlüssen. Idealerweise gebaut oder renoviert von der Schule selbst — das ist das stärkste Zeichen für echten Eigeneinsatz.
- Wer wird Computerraum-Verantwortlicher? Eine konkrete Lehrkraft, deren Stundenplan Zeit für Wartung und Aufsicht enthält. Ohne Person, die sich kümmert, ist der Raum in 6 Monaten unbrauchbar.
- Wie viele Schüler werden den Raum tatsächlich nutzen? Eine Schule mit 200 Schüler braucht keine 40 PCs am ersten Tag. Lieber klein anfangen, Erfolg dokumentieren, dann skalieren.
Wir haben das in November 2024 noch nicht so systematisch gemacht — und mussten in Phase 3 einige Punkte nachholen. Heute würden wir die Bedarfsermittlung auf zwei Wochen ansetzen, mit einem Vor-Ort-Besuch und einer schriftlichen Erklärung der Schule.
Phase 2 — Beschaffung: lokal vs. Container
Hier gibt es keine Schwarz-Weiß-Antwort, sondern eine pragmatische Mischung:
Lokal kaufen (auf dem Markt in Kumasi)
Wann sinnvoll: kleine Stückzahlen, schneller Start, erste 5–15 Geräte zum Testen.
Vorteile:
- Sofort einsatzbereit, keine Zollwartezeit
- Lokaler Garantieanspruch und Reparaturkette
- Rechnungen mit ghanaischer USt, sauber für die deutsche Buchhaltung
- Geld bleibt in der Region
Nachteile:
- Stückpreise höher als bei Container-Import (~30 % Aufschlag)
- Spezifikation variiert von Markt zu Markt — was heute verfügbar ist, ist es morgen vielleicht nicht
- Erfordert vertrauenswürdige lokale Kontakte
Container-Import (Ex-USA, gebraucht)
Wann sinnvoll: Skalierung auf 30+ Geräte, geplanter Ausbau.
Vorteile:
- Niedrigere Stückpreise (Großhandelsmarge entfällt)
- Einheitliche Spezifikation
- Modernere Hardware (USA-Ex-Leasing-Geräte sind oft 1–3 Jahre alt)
Nachteile:
- Zollabwicklung in Ghana ist kompliziert und teuer (~15 % Wert + Gebühren)
- Wartezeit 4–8 Wochen
- Garantie-Reparatur erfordert Versand zurück → praktisch nicht machbar
Unsere Mischung: erste 15 PCs lokal (November 2024), dann Container-Import von 25 PCs (Januar 2025). Im Nachhinein hätten wir die zweite Tranche etwas später angesetzt — die Schule brauchte Zeit, den Raum baulich vorzubereiten.
Phase 3 — Infrastruktur: Strom, Klima, Netz
Die Hardware ist nur ein Drittel der Investition. Was häufig vergessen wird:
Stromversorgung
Ghanaische Schulen haben oft instabilen Stromnetzbezug. Drei Bausteine helfen:
- Stabilisierte Mehrfachsteckdosen mit Überspannungsschutz für jeden Arbeitsplatz
- USV (Online-USV) für den zentralen Server-/Switch-Bereich
- Solar-Backup mit Wechselrichter und Batterie als Mittelfristziel — funktioniert bei uns als nächste Ausbaustufe
Klimatisierung
Tropenklima + 40 PCs in einem Raum = Hardware-Sterben in Zeitlupe. Eine Klimaanlage ist keine Komfort-, sondern eine Investitionsschutz-Maßnahme. Eine 18.000-BTU-Inverter-Anlage kostet in Ghana ~1.000–1.200 € und hält den Raum bei 40 aktiven PCs auf 24 °C.
Netzwerk
Strukturierte Verkabelung mit RJ45 statt WLAN. WLAN klingt einfacher, ist aber bei 40 gleichzeitigen Clients ein Totalausfall. Ein 4-HE-Netzwerkschrank mit einem 48-Port-Switch und Patch-Feldern kostet ~600 € und ist 10 Jahre haltbar.
Phase 4 — Internet
Wo Glasfaser fehlt, ist Starlink heute der einzige praktikable Weg. Drei Punkte:
- Offizieller Reseller: Starlink hat in Kumasi mehrere offizielle Reseller mit Rechnungen, Installation und Support. Auf keinen Fall über Drittländer importieren — das ist tariflich teurer und schließt Support aus.
- Tarif: „Residential Lite" reicht für 40 PCs problemlos (mehrere Mbit/s pro Gerät bei normalem Browser-/E-Learning-Verkehr). Kosten: ~50 €/Mt.
- Eigentumsfrage: Antenne und Hardware bleiben Eigentum der gUG, die Schule trägt nur den laufenden Tarif. Vertraglich geregelt im Nutzungsüberlassungsvertrag.
Phase 5 — Betrieb: was unbedingt ins Modell muss
Das ist die Phase, in der die meisten gut gemeinten Projekte scheitern. Drei Bausteine:
Eigentum bleibt bei der gUG
Nicht der Schule schenken, sondern überlassen. Mit einem schriftlichen Nutzungsüberlassungsvertrag. Das schützt vor Privatisierung bei Konflikten, vor Verkauf, und gibt der gUG die rechtliche Position, die Geräte bei Missbrauch zurückzuholen. Spezifisch: die Schule ist Nutzerin, nicht Eigentümerin. Siehe auch Vermögensbindung und Nutzungsüberlassungsvertrag.
Betriebskosten beim Empfänger
Strom, Internet, Wartung trägt die Schule. Das ist keine Härte — es ist der Mechanismus, der das Projekt nachhaltig macht. Wenn die Schule sich diese laufenden Kosten nicht leisten kann, ist sie noch nicht reif für die Spende. Hilf ihr lieber bei einem kleineren ersten Schritt.
Verantwortliche Person + Schulungs-Calls
Ein Lehrer als Computerraum-Verantwortlicher, mit dem wir die ersten 6 Monate monatliche Calls führen. Themen: kleine Hardware-Probleme, Software-Updates, Klassen-Management, neue Lerninhalte. Nach 6 Monaten ist die Person meist autark.
Phase 6 — Dokumentation und Folgeschritte
Was wir laufend dokumentieren — sowohl für die eigene Buchhaltung als auch für Spender:
- Foto + Datum jeder Großanschaffung (Computer, Klimaanlage, Starlink-Kit)
- Rechnungen mit ghanaischer USt für die deutsche Steuer
- Nutzungsüberlassungsvertrag mit der Schule, gegengezeichnet
- Halbjährlicher Statusbericht mit Nutzungszahlen und Herausforderungen
- Veröffentlichung relevanter Erfahrungsberichte hier auf der Website
Was würden wir heute anders machen?
- Mehr Zeit für Phase 1: Bedarfsermittlung lieber 4 Wochen als 4 Tage.
- Erste Tranche kleiner: 10 statt 15 PCs lokal, dann erst Container — der Raum war anfangs nicht groß genug für 40+.
- Solar früher mitdenken: Nicht erst Stromnetzausfälle abwarten, sondern Solar-Backup mit einem ersten Modul einplanen.
- Schulungsvideos statt Live-Calls: Bei Zeitdifferenzen sind kurze, dokumentierte Schulungsvideos effizienter als geplante Calls.
Wenn du selbst sowas planst
Wenn du selbst ein vergleichbares Projekt mit einer afrikanischen Schule planst, schreib uns gern an info@empowered-africa.org. Wir teilen Vorlagen für Nutzungsüberlassungsverträge, Bedarfsanalyse-Fragenlisten und unsere Lieferanten-Kontakte in Kumasi — kostenlos. Lieber zwei gute Projekte parallel als ein einzelnes, das vermeidbare Fehler macht.